Schwarzarbeit

Schwarzarbeit

ist in diesem Falle natürlich nicht sprichwörtlich, sondern, wie man an den Modellen sofort erkennen kann, buchstäblich zu verstehen. Das Schwarze will hier aber nicht als ledigliche Verneinung von Farbe, sondern als ein Verzicht zu Gunsten von Fläche und Form - zu Gunsten des Spiels von Licht und Schatten, von Reflexion und Absorption sowie von Plastizität und Flächigkeit verstanden werden. Die einzelnen Kleidungsstücke leiten sich in ihrer Gestaltung unmittelbar aus dem ihnen zu Grunde liegenden Material bzw. aus ihrer technologischen Struktur ab. Es stehen sich dabei im Wesentlichen drei Methoden der Gestaltfindung gegenüber. Ein Weg führte über die durch Bedruckung geometrisch eingeteilte Stofffläche, die in ihrem Raster alle potentiellen Schnittführungen bereits beinhaltete. Die Kontur der Schnittteile von Oberteil, Rock und Kleid wurde also innerhalb dieses Rasters gesucht und gefunden. Die optimale Passform wird über innenliegende Zugverbindungen geschaffen, die somit also nicht nur für die Plastizität der Form, sondern auch für Anpassung an den Körper jenseits konventioneller Maßtabellen sorgen. Diese Dominanz der Geometrie wurde bei den gehäkelten Oberteilen ihrer handwerklichen Struktur zu Folge aufgegeben. Hier fallen der Entwurfs- und Herstellungsprozess zeitlich zusammen. Das Teil wächst gewissermaßen am Körper entlang. Zu jedem Zeitpunkt werden gestalterische Entscheidungen getroffen, die aufeinander aufbauen und sich unmittelbar sowie zum Teil unwiderruflich im Kleidungsstück niederschlagen. Das Endergebnis ist somit weder planbar noch zu vervielfältigen.